Sony NEX-6

Der Urlaub ist vorbei, inzwischen ist auch die zweite Grippe innerhalb eines Monats überstanden, und nun möchte ich endlich mal was zu meiner neuen Sony NEX-6 schreiben.

Die NEX 6 gehört zu der Klasse der Systemkameras. Vereinfacht gesagt, handelt es sich hier um eine Klasse, die zwischen den (Edel-)Kompaktkameras und Spiegelreflexkameras (DSLR). D.h. diese Klasse punktet mit kompakten Gehäusen, kann aber gleichzeitig aufgrund der Wechselobjektive flexibel eingesetzt werden.

NEX6-front

Sony hatte in dieser Klasse bereits drei Modelle in Handel: Die NEX-3 soll den Einstieg in das modulare System von Sony erleichtern, die NEX-5 soll den Aufsteiger ansprechen und die NEX-7 richtet sich an den ambitionierten Hobbyfotografen. Die NEX-7 war dann auch lange Zeit die einzige Kamera mit eingebautem Sucher. Mit der NEX-6 schliesst Sony die Lücke zwischen der 5er und 7er. Die NEX-6 hat wie das Topmodell einen elektronischen Sucher, ein hochwertiges Gehäuse aus Magnesium und einen eingebauten Blitz. Letzterer ist zwar nicht sehr leistungsstark, aber für ein paar Porträts ausreichend. Zudem hat Sony der NEX-6 dem Modusrad an der Oberseite der Kamera noch ein zweites Einstellrad direkt darunter spendiert, mit welchem sich manuell die Belichtungssteuerung beeinflussen lässt. Persönlich ein sehr nettes und nützliches Feature. Und wo wir bereits bei der Bedienung sind: Das Drehrad auf der Rückseite der Kamera, rechts neben dem nach unten und oben schwenkbaren Displays, ist für meine Hände etwas klein geraten, dennoch lässt es sich gut bedienen und nach etwas Eingewöhnungszeit auch blind bedienen.

NEX6-back

Das Display hat eine Diagonale von drei Zoll und löst mit einer Auflösung von knapp einer Million Pixel das Bild gut auf. Zudem lässt sich es sich nach oben und unten schwenken, so dass auch Bilder aus fussbodennähe oder über Kopf ohne Verrenkungen des Fotografen möglich sind. Da ich häufig lieber durch einen Sucher als auf ein Monitor schaue, begrüsse ich Sonys Entscheidung, der NEX-6 einen elektronischen Sucher zu spendieren. Die Auflösung des Bildes ist auch hier sehr gut. Praktisch finde ich zudem, dass sowohl auf dem Monitor als auch im Sucher die eingestellten Belichtungsparameter direkt sichtbar sind. So sieht man schon bei der Darstellung auf dem Bildschirm an der Kamera, ob die Belichtung stimmt, oder ob das Bild über- oder unterbelichtet sein wird. In diesem Fall kann direkt auf der Kamerarückseite mit dem Drehrad neben dem Hauptmonitor eine Korrektur eingestellt werden. Auch praktisch ist die Möglichkeit, das Belichtungszeit-Blenden-Paar mit dem Drehrad auf der Kameraoberseite beeinflussen zu können. Sollte mir also die Elektronik anbieten, die Blende zu schliessen, so kann ich diese wieder öffnen, und die interne Elektronik passt dann automatisch die Belichtungszeit an.

Die Kamera bringt zahlreiche Programmautomatiken mit. Dabei kann man gezielt Fotoszenen wie Porträt oder Nachtaufnahmen auswählen oder überlässt der Kamera die Entscheidung mit den entsprechenden Vollautomatikfunktionen. Wer jedoch lieber mit Halbautomatik (also Blenden- oder Zeitautomatik) fotografieren möchte, kann auch dies. Sogar einen manuellen Modus gibt es.

Sony hat zudem einen kleinen ausklappbaren Blitzer integriert. Der Blitz ist zwar nicht wirklich sehr stark, für ein Porträt reicht er aber auf jeden Fall. Wer einen stärkeren Blitzer verwenden möchte, kann über den Blitzschuh ein externes Blitzgerät anschliessen.

Das mitgelieferte Objektiv SEL-P1650 hat eine kleinbildäquivalente Brennweite von 24mm-75mm bei einer Lichtstärke von f/3,5-5,6. Das kompakte Objektiv ist wie die Kamera mit einem hochwertigen Metallgehäuse versehen. Die Brennweite lässt sich elektrisch mit einem Hebel am Objektiv und mit einer Drehring einstellen. Die elektronische Einstellung der Brennweite ist vor allem bei Videoaufnahmen nützlich, da damit der Zoom schön gleichmässig raus- oder reingefahren werden kann. Der Autofokus arbeit recht flott. Das liegt am neuen Hybridsystem: Knapp 100 Phasen-Sensoren sorgen für die erste grobe Fokussierung, die Feineinstellung übernimmt der Kontrastmodus. Negativ ist mir jedoch aufgefallen, dass im Weitwinkelbereich das Objektiv eine deutliche Vignettierung bei den RAW-Bilder (= digitalem Negativ; die interne Software bereitet dann zwar das Bild auf – wobei dann die Vignettierung verschwindet -, doch wer lieber seine Bilder am heimischen Rechner selber bearbeiten will, wird sich an dieser Eigenschaft weniger erfreuen) auftritt.

Trotzdem sind die Bildergebnisse zusammen mit dem Setobjektiv sehr ansprechend. Gerade bei Tageslicht wirken die Fotos scharf mit schönen Farben. Trotzdem die NEX-6 „nur“ 16 Megapixel hat, werden Details wie feine Verästelungen in Bäumen oder Haarstrukturen bei Porträts gut dargestellt. Erfreulich auch, dass Sony das Farb- und Helligkeitsrauschen bei höherem ISO sehr gut im Griff hat. Erst ab ISO 800 oder gar ISO 1600 wirken feine Strukturen weicher. Doch werden solche Bilder nicht sofort unbrauchbar. Ich bin eigentlich positiv überrascht, wie gut diese kleine spiegellose Kamera schlägt. Im Vergleich zu meiner neuen Nikon D4 und D800 braucht sie sich nicht zu scheuen, auch wenn die „Grossen“ von Nikon optisch einiges mehr auf dem Kasten haben. Doch bei solchen Vergleichen sollte man sich immer vor Augen halten, dass für normale Fotos oder für Bildschirmansichten die NEX-6 die Anforderungen mehr als erfüllt. Interessant wird es eher, wenn es darum geht, ein Foto auf Postergrösse auszugeben. Denn spätestens dann werden optische Fehler sichtbar. Leider kann ich aber noch nicht auf praktische Beispiele zurückgreifen. Ich hoffe aber, dies bald nachreichen zu können.

Trotz der positiven Erfahrung mit der NEX-6 gibt es auch einige negative Punkte. Da wäre zuerst einmal das in meinen Augen unglückliche Menü zu erwähnen. Zwar beginnt die Menüführung mit sechs Menüpunkten. Doch innerhalb der ersten sechs Menüpunkten gibt es keine Aufteilung mehr. Wer beispielsweise den Menüpunkt „Einstellungen“ wählt, findet sich dann in einer endlos langen Menüliste wieder, in der man dann spontan die gewünschte Einstellung suchen darf.

Was mich auch stört, ist der elektronische Sucher. Wer so wie ich gewohnt ist, durch einen optischen Sucher zu sehen (und die Sucher der D4 bzw. D800 sind wirklich super!), empfindet elektronische Sucher als Krücke. Das dargestellte Bild im Sucher zeigt mir keine feine Strukturen, hat aber dafür den Vorteil, dass direkt ersichtlich ist, ob die Belichtung stimmt. Und ich bemerke – sobald ich die Kamera schwenke – eine Verzögerung in der Bilddarstellung.

Im Gegenzug finde ich jedoch das Feature sehr gut, über WLAN die Kamera mit Apps zu erweitern. Und ich kann über WLAN und einer entsprechenden Gratis-App die Kamera per Smartphone, Tablet oder Rechner ansteuern.

Fazit: Ich halte die NEX-6 für einen guten DSLR-Ersatz. Sie ist klein und leicht. Sie liefert gutes Bildmaterial und arbeitet flott. Kurz: es macht Spass, mit dieser kompakten Knipse Bilder zu machen. Einziger für mich wichtiger Kritikpunkt ist die Menüführung. Interessanterweise empfinden das auch andere Tester so. Vielleicht tut sich ja was bei Sony. Spannend dürfte noch werden, wie schnell der Sensor verdreckt: Beim Objektivwechsel liegt der Sensor frei. Mitten in einem Sandsturm würde ich definitiv kein Objektivwechsel vornehmen.

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