Schlangen vor dem Applestore

Nun ist es wieder soweit: Vor den deutschen Apple Stores haben sich langen Schlangen gebildet. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es bald ein neues Apple-Produkt zu kaufen gibt. Welches, das dürfte selbst weniger Eingeweihten bekannt sein: Das iPhone 6s und das iPhone 6s Plus.

Vor dem Apple Store Hamburg haben sich schon am Mittwoch, also zwei Tage vor dem Verkaufsstart, die ersten Fans eingefunden und kampieren vor dem Store. Ein Phänomen, dass es meines Wissens nur bei Apple finden lässt. Zumindest habe ich noch nicht gehört, dass irgend jemand für ein neues Android-Handy angestanden sei.

Auch ich bin schon mal für ein Handy angestanden. Ich gebe es hiermit zu, gestehe allerdings auch, dass ich immer noch ein klein wenig peinlich berührt davon bin, wenn ich davon erzähle. Ich gehöre nämlich nicht zu den Menschen, die einer Religion, einer politischen Partei (was – wie böse Zungen behaupten – eigentlich das gleiche wie Religion ist *fg*) oder einem Fussballverein nachrennen. Und garantiert zähle ich mich nicht zu den viel zitierten (und gerne gebashten) Apple-Jüngern. Wenn ich also ein Geständnis ablege und erzähle, dass ich 2010 für den Verkaufsstart des iPhone vor dem Zürcher Apple Store angestanden bin, bedarf das schon einer genaueren Erklärung. Und die ist eigentlich sehr einfach und (hoffentlich) einleuchtend: Mir ist zwei Wochen vorher das alte iPhone gestohlen worden und ich wollte gerne wieder ein Neues. Okay, dann stellt sich die Frage, warum ich dann nicht das gleiche Modell nochmals gekauft habe. Naja, ist ja logisch: Wer kauft sich schon ein „veraltetes“ Gerät? Kommt hinzu, dass ich zu der Zeit auch ein ziemlicher Technik-Nerd war. Ausserdem vergesst bitte nicht, dass zu der Zeit Apple mit dem iPhone 4 eigentlich noch gar keine Konkurrenz hatte, auch wenn es schon die ersten Androiden gab. Und wenn ich schon beim Outing bin: Ja, auch heute bin ich noch ein bisschen „Technik-Nerd“ aber glücklicherweise ist mein „Haben-Wollen-Gen“ nicht mehr so dominant, wie vor wenigen Jahren.

Das Anstehen ist ja eigentlich ein Phänomen, das auch aus den USA kommt. Ich erinnere mich noch daran, wie vor der Veröffentlichung des zweiten Teils von „Star Wars“ (okay, gemäss der heute bekannten Chronologie ist es der fünfte Teil) die Fernsehnachrichten riesige Schlangen vor den Kinokassen zeigten. Die Leute standen in gemütlicher Eintracht tagelang an, um den neuen Sci-Fi-Streifen sehen zu können. Okay, das Phänomen kennen wir auch aus der ehemaligen DDR, aber wir wollen das Thema jetzt nicht nochmals aufwärmen ;-).

Gemütlicher Eintracht anstehen: So war es übrigens auch in jener Nacht, in der ich angestanden bin. Ich bin damals mit dem letzten Zug nach Zürich gefahren und fand vor dem Apple Store auch schon die ersten Vorbereitungen für den nächsten Tag vor. Mit Gittern wurden die bereits Wartenden schon aufgeteilt in diejenigen, die das iPhone mit und ohne Abo kaufen wollten. Und es stand schon Sicherheitspersonal da. War sehr beruhigend, denn ich hatte ja auch ziemlich viel Bargeld dabei. Und sicher nicht nur ich.

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Ich glaube, ich war der 17. in der Schlange „ohne-Abo“, als ich erst einmal alle mit einem knappen aber freundlichen Hallo begrüsste. Ich stellte meinen Klappstuhl auf, packte meine Thermoskanne aus machte es mir bequem. Die Zeit ging sehr schnell um, man quatschte, fachsimpelte, witzelte, trank, ass. Und das Ganze in entspannter und gelassener Stimmung. Um fünf erschienen die ersten Mitarbeiter von Apple und verteilten bei den Leuten, die das iPhone mit Abo erwerben wollten Formulare, auf denen man angeben sollte, welches iPhone mit welchem Anbieter und Tarifstufe man haben wollte. Und dann wurden alle nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass diejenigen, die das iPhone zusammen mit einem Abo erwerben wollten und minderjährigen seien, eine Vollmacht der Eltern haben müssten. Mich beeindruckten da zwei Dinge: Erstens wie gut organisiert alles vor dem Apple Store ablief und zweitens wie rund eine Stunde später tatsächlich eine Mutter ihrem minderjährigen Sohn die verlangte Vollmacht übergab.

Das iPhone 4 habe ich heute immer noch und es funktioniert – auch wenn das iOS 7 das Gerät doch ziemlich an die Grenze der Leistungsfähigkeit bringt. Geblieben ist mir auch eine schöne Erinnerung an diese Nacht. Ich möchte heute diese Erfahrung nicht mehr missen. Es ist schon speziell, in so einer Schlange zu stehen, sich zusammen mit anderen auf das neue Produkt zu freuen. Mir fällt es schwer, diese Nacht in Worte zu fassen. Ich werde meine damalige Begeisterung nicht genügend beschreiben können.

Ich glaube aber nicht, dass ich heute so empfinden werde wie damals. Und mit der Zeit ändern sich auch die persönlichen Prioritäten – sei es durch die eigenen Erfahrungen oder weil man ganz andere Prioritäten im Leben hat. Ich werde aber die Schlangen vor dem Apple Store nicht abschätzig belächeln. Im Gegenteil, ich freue mich für die Leute, die da anstehen und eine Vorfreude empfinden, wie man sie einem Aussenstehendem bestenfalls mit dem Gefühl beschreiben kann, das man als Kind vor Weihnachten hatte.

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