Ich liebe Bücher. Donna Leon, Dürrenmatt, Shakespeare, Jamie Oliver, Tolkien, Fotobücher… Letztere habe ich reichlich, doch ich gebe zu, dass ich die wenigsten komplett durchgelesen habe. Meist dienen sie mir eher als Nachschlagewerke oder Inspirationsquelle. Doch manchmal kommt es vor, dass ich sie sogar ganz lese. Wie beispielsweise “Abenteuer Fotografie – Aus dem Logbuch eines Fotografen” von Steffen “Stilpirat” Böttcher. Manchen ist er eher bekannt als Autor und Betreiber des Blogs über Fotografie www.stilpirat.de.

Ich habe das Buch eigentlich für meinen Strandurlaub gekauft. Leider waren die zwei Wochen Urlaub aber wohl doch zu kurz ;-) und so habe ich zu Hause in der Freizeit weiter gelesen. Doch parallel dazu habe ich mir auch eigene Gedanken zu den jeweiligen Kapiteln gemacht, die ich hier in einer kleinen Reihe veröffentlichen möchte. Ich veröffentliche also hier keine Rezension und noch weniger möchte ich über den Autoren ein Urteil über sein Schaffen fällen. Wer das sucht, sollte sich mal auf Portale wie Amazon usw. umsehen.

Kapitel 1: Frust und Freude Kamerakauf

Ich kann nicht sagen, was mich so faszinierte an der Fotografie. Ich weiss aber noch, dass ich 1987 beim Kauf meiner ersten Kamera schon den Wunsch nach schönen Bildern hatte. Ich bewunderte die Fotos in den Bildbänden, die häufig genug Geschichten von fremden Welten und exotischen Tieren, von traumhaften Landschaften und kunstvollen Gebäuden. Ich hatte keine Ahnung, wie diese Bilder entstanden. Noch hatte ich einen blassen Schimmer davon, was Blende, Zeit, wieso, Brennweite bedeuten oder in welchem Zusammenhang sie standen. Trotzdem wollte ich mir mit dem gesamten Geld, das ich gern mit dem Ferienjob zusammen gespart hatte, dieser Neue tolle Kamera kaufen: Die Canon EOS 650. Die erste Kamera, die einen Autofokusmotor in Objektiv enthielt und die für die damaligen Verhältnisse ein herausragendes Design hatte.

Doch das damalige Problem war, man musste noch analoge Filme verwenden und dann natürlich entwickeln lassen. Dafür war einen die Aufmerksamkeit garantiert. Spätestens während meiner Chinareise, die ich mit und durch meine Eltern erleben, erntete ich bewundernde Blicke. Und da mein Vater Filme und Entwicklung bezahlte, entstanden naturgemäß dann die meisten Bilder mit dieser Kamera. Doch der Ausschuss war hoch – und zugleich  frustrierend. Und so verebbte mein erstes Interessen an der Fotografie, hauptsächlich wegen meinem Unvermögen und wegen der Kosten.

Das änderte sich, als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen. Das war zu den Zeiten, als „Pretty Women“ ich im Kino lief. Ich erinnere mich an ein Zitat aus diesem Film: „Verkäuferinnen sind nicht nett zum Kunden, Verkäuferinnen sind nett zu Kreditkarten“.  Es gab tatsächlich viele Fotohändler, die genau nach diesen Verfahren vorgingen und versuchten, mir Blech für Gold zu verkaufen. Zum Teil wurden die Argumente so abwegig, dass ich augenblicklich den Laden ohne einen weiteren Kommentar verlassen musste.

Meiner Karriere als Hobbyfotograf entwickelte sich weiter, vor allem mit dem Kauf von weiterer teurer Ausrüstung, Anfänglich vor allem mit neuen Kameras. Ich muss gestehen, dass mich die Technik auch maßgeblich beeindruckte. Ich musste beruflich viel mit einem professionellen Fotografen arbeiten und sah so, was technisch möglich war.

Mit dem Kauf der Nikon D200 fing ich aber auch an, mehr in Objektive zu investieren. Der Höhe. Meiner Investitionen war die Anschaffung der D800 und der D4. Tja, mehr geht nicht bei den Spiegelreflexkameras.

Ich finde gleichzeitig an, mich wesentlich mehr mit der Fotografie zu beschäftigen. Zum einen, indem ich mein Wissen durch Bücher und DVD-Tutorials abzudecken begann. Zum anderen fing ich an, sowohl privat als auch beruflich immer mehr zu fotografieren.

Mit dem Aufkommen der spiegellosen Kameras samt vernünftigen Optiken habe auch ich mich mit einer zusätzlichen, kleineren Ausrüstung versorgt. Doch mein Interesse gilt heute immer mehr Richtung der eigentlichen Fotografie. Zum Glück, denn eigentlich habe ich fast alles, was es technisch gibt. Fotoausrüstungen werden für mich immer mehr zu dem, was sie sein sollen: Werkzeuge.

Wenn ich heute die Tipps von damals der guten Fotografen lese – und damit meine ich die Profis wie die fortgeschrittenen Hobbyfotografen – so kann ich nur bestätigen, dass es heute völlig egal ist, welcher Kamera beim kaufen sollte. Die Geräte sind alle auf einem sehr gutem Niveau. Sie unterscheiden sich meist nur eine Bedienung. Kein Test der Welt sagt, welche individuellen Bedürfnisse welche Kamera am besten erfüllt. Also kauft euch das, was euch am besten passt. Diskussionen über Features sind was für Technikfreaks, nicht für Fotografen.

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Kapitel 2: Allheilmittel und Wunderwaffe – Blende

Ja, ich gebe es zu: Mir war zu Anfang völlig schnuppe, welche Anfangsblende meine Objektive hatten. Ich kümmerte mich auch kaum darum, weil ich höchstens theoretisch einen Schimmer hatte, was die “Blende” wirklich bedeutete. Für mich war die Blende nämlich nur eine der beiden Grössen, um eine gewisse Menge Licht auf den Film bzw. Sensor fallen zu lassen. Dass die Blende aber auch ein Gestaltungsmittel für den Schärfebereich ist, war in meinen Anfangszeiten fast schon nebensächlich. War aber auch kein Wunder. Die ersten Digitalen hatten nur einen winzigen Sensor und eher lichtschwache Objektive. Da spielte es auch kaum noch eine Rolle, welche Blende vorgewählt wurde.

Später – mit dem Aufkommen der ersten bezahlbaren Spiegelreflexkameras – empfand ich ziemlich störend , dass Objektive mit grosser Anfangsblende schnell heftig teuer wurden. Sind sie ja noch heute, ausser vielleicht eine Handvoll Festbrennweiten.

Was genau ist nun die “Blende”? Okay, hier erst einmal eine eher mathematische Erklärung: Die Blendenzahl beschreibt das Verhältnis zwischen dem Durchmesser der wirksamen Blendenöffnung und der Brennweite eines Objektivs. So ist beispielsweise bei Blende 4 die Öffnung der Blende so gross, dass deren Durchmesser einem Viertel der Brennweite entspricht. Bei einem Objektiv mit 50 mm wäre also 12,5 mm, bei welcher die Blende für die Blendenzahl 4 im Objektiv geöffnet werden müsste. Bei einem Teleobjektiv mit 200 mm müsste bei Blende 4 die Öffnung bereits 50 mm sein. Im übrigen müsste jetzt auch dem einen oder anderen klar werden, warum lichtstarke Teleobjektive riesige Frontlinsen hat :-)

Das ist ja nun schön und gut, nützen tut diese Erkenntnis beim fotografieren relativ wenig. Interessanter ist wohl eher die Frage, welchen Nutzen die Blende zum Fotografieren hat. Hier also mein Erklärungsversuch:

Eigentlich kann ich beim Fokussieren nur auf eine Ebene scharf stellen. Alles was sich vor oder hinter dieser Ebene befindet, erscheint unscharf. Eigentlich… Nur ist der Kamerasensor, der Computermonitor, das Fotopapier und letztendlich auch unser Auge nicht vollkommen. Bis zu einem gewissen Grad erscheint uns ein Bildpunkt noch scharf. Die Folge ist, dass auch die weniger scharfen Bildpunkte aus den angrenzenden Ebenen uns noch scharf erscheinen. Und so sehen wir dann sogar einen Bereich vor und nach der Fokussierebene scharf, den man als Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe?) bezeichnet wird. Dieser Bereich ist in seiner Tiefe abhängig von der eingestellten Blende. Je kleiner die Öffnung durch die Blende, desto grösser ist die Schärfentiefe. Umgekehrt bedeutet, dass je grösser die Blendenöffnung, desto geringer ist der Bereich, der uns nach der Fokussierung scharf erscheint.

Und jetzt wird es noch etwas komplizierter: Die Blendenöffnung wird mit einer Blendenzahl angegeben. So ist eine Blende von 2,8 grösser als 5,6. Hä? Wie das? Eigentlich ist das dann doch recht einfach. Die Blendenzahl ist ja eine Verhältniszahl. Somit ist die Blendenöffnung von 1/2,8 eben grösser als 1/5,6. Nur schreibt das halt niemand so. Es hat sich einfach so eingebürgert. Übrigens bedeutet der Sprung von Blende 2,8 auf 5,6 nicht, dass mit Verdoppelung der Blendenzahl nicht, dass doppelt so viel Licht auf den Sensor fallen wird. Vergesst bitte nicht, dass die Blende mit der Fläche der Öffnung im Objektiv zu tun hat. Um die Fläche eines Kreises zu berechnen, muss man die Zahl Pi mit dem Quadrat des Radius r multiplizieren. Logischerweise bedeutet also die Verdoppelung der Blendenzahl, dass viermal so viel Licht auf den Sensor fällt (2 im Quadrat ergibt ja vier).

Es lohnt sich übrigens, die ganzen Blendenzahlen mal zu merken:

1,4  2,0  2,8  4,0  5,6  8,0  11,0  16,0  22,0

Beginnend bei 1,4 und 2,0 verdoppeln sich abwechselnd die Blendenzahlen. Mit der Änderung der Blende um einen Blendenwert verdoppelt bzw. halbiert sich die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt. Viele Kameras bieten jedoch auch die Möglichkeit, die Blendenwerte um einen halben oder drittel Wert zu verändern. Entsprechend erweitert sich die Liste der Blendenzahlen:

Bei 1/2 Werten: 1,4,  1,8  2,0  2,4  2,8  3,3  4,0  4,8  5,6  6,7  8,0  9,5  11,0  13,0  16,0  19,0  22,0

Bei 1/3 Werten: 1,4  1,6  1,8  2,0  2,2  2,5  2,8  3,2  3,5  4,0  4,5  5,0  5,6  6,3  7,1  8,0  9,0  10,0  11,0  13,0  14,0  16,0  18,0  20,0  22,0

(Anmerkung: Die Werte habe ich bei meiner Kamera abgelesen. Es kann durchaus sein, dass je Kamerahersteller die Werte leicht abweichen können)

Ich habe irgendwann mal angefangen, mit meinen wichtigsten Objektive Blichtungsreihen mit unterschiedlichen Blenden zu machen. Dazu stand ich zum Hauptobjekt immer im gleichen Abstand und habe dann geschaut, welcher Bereich mit welcher Blende noch scharf abgebildet wurde. So habe ich inzwischen ein Gefühl entwickelt, welche Blende ich etwa benötigen werde, um einen gewissen Bereich scharf abgebildet zu haben. Genauer geht das mit Apps für Smartphones. Einfach als Suchbegriff “Deep of Field” in Eurem bevorzugten App Store ein und schaut Euch das Angebot an.

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